Global March erteilt Rote Karte für Kinderarbeit und Zwangsprostitution!

Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland

Deutschland bereitet sich seit langer Zeit auf die Fußballweltmeisterschaft vor. Die Spannung steigt wenige Wochen vor dem Auftakt der Spiele Anfang Juni. Nicht nur Menschen in Deutschland sind von der Aufregung ergriffen – fast die ganze Welt wird den World Cup 2006 verfolgen. Es gibt jedoch auch Schattenseiten, welche aufgrund ihres Ausmaßes und ihrer Unmenschlichkeit nicht ins Hintertreffen geraten dürfen.


KINDERARBEIT IN DER SPORTARTIKELINDUSTRIE

Bereits anlässlich des World Cups 2002 hat Global March auf das traurige Schicksal tausender Kinderarbeiter in Pakistan (in Sialkot ca. 7000 Kinderarbeiter) und Indien aufmerksam gemacht, die größten teils mit ihren Familien unter miserablen Arbeitsbedingungen in Akkordzeit Fußbälle nähen. Recherchen haben zu Tage gebracht, dass internationale Markenfirmen wie Nike, adidas, Puma, Reebok und Decathlon Kinder beschäftigen. Dies war der Fall, obwohl 1997 von der World Federation of the Sporting Goods Industry (WFSGI) das Atlanta Abkommen über die Abschaffung von Kinderarbeit in der Fußballindustrie in Pakistan verabschiedet hatte, dessen Umsetzung von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) bis 2003 mit Inspektoren unterstützt wurde. Problematisch ist nach wie vor zu überprüfen, ob die von FIFA lizenzierten Fußbälle tatsächlich ohne Kinderarbeit hergestellt werden.



2002 wurde offen gelegt, dass einer der Hauptsponsoren der WM 2002 – adidas – seine Fußbälle immer noch mit Einsatz von Kinderarbeitern produzieren ließ. Global March initiierte daraufhin die weltweite Kampagne „ Kick child labour out of the World“ mit namenhaften Unterstützern wie Papst Johannes Paul II, José Saramago (Spanien/ Nobelpreis für Literatur) oder Eduardo Galeano (Uruguay/ Schriftsteller). Die Kampagne hat dazu beigetragen, dass öffentliche Bewusstsein für das Thema zu erhöhen. Die EU hat in Folge eine Resolution erlassen, welche den Einsatz von missbräuchlicher und ausbeuterischer Kinderarbeit in der Sportartikelindustrie verbietet.

Im Januar 2006 besuchten FIFA Vertreter die pakistanische Region Sialkot. Aufgrund mangelnder Kontrollen und Inspektionen werden dort auch heute noch tausende Kinderarbeiter außerhalb der großen Produktionsstätten für das Nähen von Fußbällen von Vertragshändlern ausgebeutet.

Global March fordert deshalb erneut, dass Inspektionen und Kontrollen von den Abnehmern verstärkt werden. Hauptakteure wie FIFA, ILO und die Sportartikelhersteller wie Nike, adidas etc. werden aufgefordert, international vereinbarte Arbeitsstandards für Erwachsene und Jugendliche durchzusetzen und diese ihren lokalen Vertragspartnern rigoros abzuverlangen. Die Anstrengungen, Kinderarbeit gemäß internationaler Abkommen (vor allem ILO-Konventionen 136 und 182) abzuschaffen, sollen auch von ihnen in ihren Unternehmenspolitiken verfolgt werden.


ZWANGSPROSTITUTION VON KINDERN

In diesem Jahr legt Global March mit der Kampagne „Goal 2006 – A Child friendly Game“ seinen Schwerpunkt nicht ausschließlich auf die hohen Zahlen von Kinderarbeitern und ihre schlechten Arbeitsbedingungen in der Sportartikelindustrie. Nach der Europäischen Konferenz über weltweiten Kinderhandel des europäischen Netzwerk des Global March im September 2005 in Portugal und vor allem wegen der erschreckenden Meldungen über den zu befürchtenden Anstieg von Kinderhandel und Kinderprostitution während der WM in Deutschland, will auch Global March die öffentliche Aufmerksamkeit auf dieses dramatische Problem lenken.

In den vergangenen Wochen und Monaten wurde vor allem in Deutschland immer wieder von den Medien als auch von Sportlern, Bündnissen und Organisationen die Probleme Frauen- und Kinderhandel sowie Zwangsprostitution von Frauen und Kindern thematisiert. Es wird befürchtet, dass die Aktivitäten der international organisierten Kriminalität auf diesem Gebiet anlässlich der Weltmeisterschaft beträchtlich ansteigen werden. Die Zuhälter richten sich auf eine erhöhte Nachfrage ein.

Gemäß einem ILO-Bericht von 2004 werden jährlich fast 8,4 Millionen Kinder weltweit gehandelt, versklavt und zur Prostitution gezwungen. In Deutschland würden bis zu 15.000 geschmuggelte Frauen und Mädchen zur Prostitution gezwungen, so ILO. Deutsche Medien haben berichtet, dass die Zahl aufgrund der WM bis auf 40.000 ansteigen könnte. Dies hat u. a. dazu geführt, dass Abgeordnete des europäischen Parlaments die Kampagne „Rote Karte gegen Zwangsprostitution“ initiiert haben. Dabei wird die EU-Kommission aufgefordert, Druck auf EU-Regierungen auszuüben, ihre Grenzkontrollen zu verschärfen und Frauen und Kinder zu identifizieren, welche illegal nach Deutschland geschmuggelt werden sollen.



GLOBAL MARCH AKTIONEN 2006

- Appellbrief an Präsident der Europäischen Kommission José Manuel Barroso, mit den Forderungen:

  • EU-Staaten sollen Grenzkontrollen verschärfen, um dem Menschenhandel in Europa zu begegnen
  • Verstärkung der Anstrengungen, Frauen und Kinder zu identifizieren, die illegal über die europäischen Außen- und Innengrenzen geschmuggelt werden, der Zeit vor allem mit dem Ziel, Deutschland zu erreichen

- Appellbriefe an nationale Politiker in EU-Staaten mit ähnlichen Forderungen nach der Ratifizierung des Palermo Protokolls und verschärfter Aufmerksamkeit auf Frauen- und Kinderhandel sowie Zwangsprostitution im Inland und an den Landesgrenzen

- Appellbriefe in Deutschland an: Bundespräsident Dr. Horst Köhler; Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble; Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul; Landesinnenminister Jörg Schönbohm (Brandenburg), Dr. Albrecht Buttolo (Sachsen), Dr. Günther Beckstein (Bayern) sowie Dr. Gottfried Timm (Mecklenburg-Vorpommern)

- In Deutschland haben sich amnesty international Deutschland; Bund deutscher Kriminalbeamter; Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen; Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Frauenhandel und Gewalt an Frauen im Migrationsprozess e.V.; Deutscher Frauenrat; Deutscher Gewerkschaftsbund; u.a. zu einem Netzwerk gegen Zwangsprostitution „abpfiff – Schluss mit Zwangsprostitution“ unter Schirmherrschaft von Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin und Dr. Theo Zwanziger, Geschäftsführender Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zusammengeschlossen. Die deutsche Sektion von Global March unterstützt die umfassenden Forderungen des Bündnisses.

WICHTIGE DEUTSCHE LINKS:

Zwangsprostitution

Abpfiff – Schluss mit Zwangsprostitution:

amnesty international Deutschland

Deutscher Frauenrat

Hintergrundinfos zu Menschenhandel und Zwangsprostitution des Deutschen Frauenrates

EU-Parlament:

Rote Karte gegen Zwangsprostitution

taz-Artikel vom 8. März 2006

Kampagne gegen sexuelle Ausbeutung gestartet - Tagesschau berichtet

Kinderarbeit in Sportartikelindustrie

Kampagne für saubere Kleidung

terre des hommes – Fair Play

Fair Pay – Fair Play (gepa Special)

Fairtrade – Transfair

Fair Play – Fair Life

Kinderarbeit in der Fußballindustrie (pdf)

DOWNLOADS ZUM THEMA:

Artikel aus "Die Zeit", 18.05.2006: Johannes Schweikle-Bälle gut - alles gut. (dt.pdf)

Global March Positionspapier zur Fußballweltmeisterschaft 2006 (engl.pdf.)

Brief an José Manuel Baroso vom 24 April 2006 (engl.pdf.)

Pressemeldung vom 10. Mai 2006 (dt. pdf.)

Ausführliche Pressemitteilung vom 10. Mai 2006 (dt.pdf.)

Football Stitching Kills Tender Dreams (Artikel zum Thema auf www.globalmarch.org)

Pressemitteilung 09.06.2006, NGO-online, Angela Merkel spricht sich gegen Kinderarbeit aus, (dt. pdf.)

www.globalmarch.de